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Nach der Blauen Couch: Vielleicht ist mehr angekommen, als ich dachte

Als ich die Einladung zur Blauen Couch von Bayern 1 bekam, habe ich mich sehr gefreut. Gleichzeitig hat sie einiges in mir ausgelöst. Der Bayerische Rundfunk war während meiner Zeit als Musiker ein wichtiger Begleiter für mich. Ich war dort zu Interviews, habe bei Veranstaltungen gespielt und viele Menschen kennengelernt. Nach ungefähr zwanzig Jahren wieder in einem Studio des BR zu sitzen, war deshalb mehr als einfach nur ein neuer Termin.

Es kamen Erinnerungen zurück: an meine Musik, an Menschen, die mich damals begleitet haben, und auch an die Entscheidung, irgendwann einen anderen Weg einzuschlagen. Heute beschäftige ich mich mit anderen Themen als damals. Statt mit der Gitarre saß ich diesmal als Männer-Coach vor dem Mikrofon und sprach mit Thorsten Otto über Männlichkeit, Gefühle, Beziehungen und meinen eigenen Lebensweg.

Das Gespräch auf der Blauen Couch von Bayern 1 kannst du hier anhören:

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Freude und Nervosität können gleichzeitig da sein

Schon vor der Aufnahme wusste ich, dass mich dieses Gespräch fordern würde. Interviews kannte ich aus meiner Musikerzeit durchaus. Aber über meine heutige Arbeit und gleichzeitig so persönlich über mich selbst zu sprechen, fühlte sich anders an.

Die Atmosphäre beim BR hat es mir leicht gemacht. Ich traf vertraute Menschen wieder, wurde herzlich empfangen und hatte bereits im Vorgespräch das Gefühl, dass echtes Interesse an meiner Arbeit besteht. Auch Thorsten Ottos ruhige und routinierte Art im Studio half mir. Trotzdem war ich sehr angespannt.

Ich habe in den vergangenen Jahren viel über mich und meine eigenen Muster verstanden. Das bedeutet aber nicht, dass alte Reaktionen nie wieder auftauchen. Ich kann heute wissen, wer ich bin, was ich kann und wofür ich stehe – und trotzdem Angst oder Nervosität spüren.

Für mich geht es nicht darum, solche Gefühle wegzudrücken oder darauf zu warten, irgendwann vollkommen angstfrei zu sein. Ich kann wahrnehmen, was gerade in mir passiert, und trotzdem den nächsten Schritt gehen. Das ist inzwischen auch meine persönlichste Definition von Mut:

Mut ist Angst und ein nächster Schritt.

Direkt danach sah ich vor allem das, was gefehlt hatte

Während des Gesprächs stellte Thorsten Otto einige Fragen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Das gefiel mir. Gleichzeitig musste ich mich immer wieder neu sortieren – und irgendwann war ich überrascht, dass die Zeit bereits vorbei war.

Mein erster Blick danach richtete sich vor allem auf mich selbst. Ich fragte mich, ob das Wesentliche wirklich angekommen war. Hatte ich ausreichend erklärt, was ich unter authentischem Mannsein verstehe? War deutlich geworden, dass es mir bei Gefühlen nicht darum geht, Männer einfach nur „weicher“ zu machen? Hätte ich noch über bewusste Wut, Klarheit, Grenzen und einen sicheren Stand sprechen sollen?

Ich kenne dieses Muster gut: Nach einer Situation sehe ich zunächst, was ich noch anders oder besser hätte machen können. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Lücken und auf das, was aus der eigenen Sicht unvollständig geblieben ist. Daraus entsteht schnell ein Urteil über das Ganze.

Dann kamen die ersten Rückmeldungen. Menschen, die das Gespräch gehört hatten, reagierten positiv. Auch Männer, die meine Arbeit schon kannten, meldeten sich begeistert und wollten das Interview weiterempfehlen. Das brachte mich dazu, meinen eigenen ersten Eindruck noch einmal zu überprüfen.

Vielleicht war mehr angekommen, als ich unmittelbar nach der Aufnahme selbst wahrnehmen konnte.

Innenwahrnehmung und Außenwirkung sind nicht dasselbe

Genau dieser Unterschied beschäftigt mich seitdem. Wir erleben eine Situation von innen. Wir kennen unsere Unsicherheit, unsere Gedanken und all das, was wir gerne noch gesagt oder anders gemacht hätten. Andere Menschen erleben davon nur einen Teil. Sie nehmen uns aus einer anderen Perspektive wahr.

Die eigene Wahrnehmung ist deshalb nicht falsch. Aber sie ist eben nicht die ganze Wirklichkeit.

Für mich steckt darin eine Frage, die weit über ein Radiointerview hinausgeht: Wie oft beurteilen wir uns selbst nach einem Maßstab, den andere Menschen überhaupt nicht an uns anlegen? Und wie oft sind es alte Vorstellungen davon, wie wir sein müssten, die unseren Blick auf das bestimmen, was tatsächlich geschehen ist?

Genau mit solchen Fragen beschäftige ich mich auch in meiner Arbeit.

Es geht nicht darum, ein anderer Mann zu werden

In der Männerarbeit geht es für mich nicht darum, Männern ein neues Ideal vorzusetzen. Nicht darum, härter zu werden – aber ebenso wenig darum, möglichst weich oder angepasst zu sein.

Mich interessiert vielmehr: Was geschieht gerade in mir? Handle ich bewusst oder reagiert ein altes Muster? Kann ich Angst wahrnehmen und trotzdem handeln? Kann ich Wut spüren und ihr eine klare Richtung geben, statt sie wegzudrücken oder irgendwann unkontrolliert herauszulassen?

Gefühle verschwinden nicht einfach, weil wir sie nicht wahrhaben wollen. Wenn wir früher erkennen, was in uns geschieht und was wir brauchen, entsteht die Möglichkeit, bewusster zu handeln.

Auch deshalb war der Besuch bei der Blauen Couch für mich im Nachhinein mehr als ein Interview über meine Arbeit. Ich konnte an mir selbst noch einmal etwas beobachten, das mir auch in meiner Arbeit immer wieder begegnet: Persönliche Entwicklung bedeutet nicht, irgendwann vollkommen frei von Unsicherheit oder alten Mustern zu sein. Es geht darum, sie wahrzunehmen und zunehmend selbst zu entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen.

Danke für diese Begegnung

Heute blicke ich mit viel Freude auf das Gespräch zurück. Ich bin dem Bayerischen Rundfunk und allen Beteiligten dankbar für die Einladung und dafür, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, diese Themen einem so großen Publikum näherzubringen.

Vierzig Minuten können nicht alles abbilden, was mich an Männerarbeit und persönlicher Entwicklung beschäftigt. Aber vielleicht müssen sie das auch gar nicht.

Vielleicht ist mehr angekommen, als ich zunächst dachte.


Das Gespräch mit Thorsten Otto auf der Blauen Couch von Bayern 1 kannst du hier in der ARD Audiothek anhören:


Wenn dich diese Themen selbst beschäftigen

Wenn dich die Fragen aus dem Gespräch auch für dein eigenes Leben beschäftigen – deine Muster, deine Beziehungen oder die Frage, wie du deinen eigenen Weg bewusster gestalten kannst –, findest du bei der MANN AKADEMIE verschiedene Möglichkeiten, damit weiterzugehen: in den Männerseminaren, den Männergruppen oder im persönlichen Einzelcoaching.

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